Samstag, 15. Oktober 2011

rückblick...

Eigentlich hatte ich vor, diesen Blogeintrag in verschiedene Themata zu unterteilen. Da ich jedoch seit längerer Zeit nichts mehr von mir berichtet habe (ein großes "ENTSCHULDIGUNG!" an dieser Stelle, aber meine ersten 3 Wochen im Camp gingen einfach drunter und drüber), glaube ich, dass es besser ist, einiges zusammenzufassen, sodass wir gemeinsam schnellstmöglich wieder auf dem aktuellsten Stand sind :). Wie bereits erwähnt, haben wir eine Woche im Liebenzeller Haus in Toronto verbracht. Neben "am Strand liegen und entspannen"
Chillen am Strand
Kevin im Sandopharg
Küche putzen im Adam House
oder "am Strand liegen und Kevin im Sand verbuddeln"  standen noch zwei weitere geniale Dinge auf unserem Stundenplan: das "Adam House" und die "Obdachlosenkirche". Das Adam House ist eine Einrichtung, indem Flüchtlinge Zuflucht suchen. Die Gründe, weshalb diese Menschen hier leben müssen, sind total unterschiedlich. Zum größten Teil jedoch kommen jene Flüchtlinge aus Länden, in denen Krieg herrscht. Da sie keine Zeit haben, den "normalen" Weg der Immigration zu bestreiten, und die Einreise nach Kanada sehr lange dauert (6 Monate, wenn man jemanden kennt, der sich bereit erklärt, dich in die kanadische Kultur "einzuweisen", ansonsten viel länger), fliegen die meisten einfach nach Kanada, sagen an der Zollgrenze, dass sie kein Visum haben, und kommen dann in Einrichtungen wie das Adam House unter. Wie dem auch sei, die Zeit im Adam House war einfach genial. Wir haben versucht, den Menschen dort zu dienen, indem wir die Küche (die total versifft und voll von Kakerlaken war) geputzt und für die versammelte Mannschaft gekocht haben. Zum Teil haben die Flüchtlinge auch psychische oder physische Probleme. Eine Frau ist mir da besonders ins Auge gefallen: ca. 1,50m groß, total zierlich, in sich zusammengekauert, verschränkte Arme, ungepflegte Haare, ängstlicher Blick. Jedes Mal wenn jemand zur Türe reinkommt, ruft sie: "MAFFIA, MAFFIA!!" und keiner weiß weshalb, denn ihre Vergangenheit gibt sie keinem preis. Man vermutet logischerweise, dass sie in ihrem Leben Probleme mit der Maffia hatte, aber wissen tut es keiner. Selbst wenn Donna (unsere Leiterin, die sie schon 1 Jahr kennt) zwei Schritte auf sie zumacht, geht sie 2 Schritte zurück. Ich glaube, dass spricht für sich! In der Obdachlosenkirche gibt es ein Mal pro Woche ein Essen für Obdachlose, welches von Freiwilligen zubereitet wird. Unsere Aufgabe war es, den Obdachlosen das Essen zu servieren. Ihr glaubt gar nicht, wie dankbar manche für ein warmes Essen sind.
Obdachlose beim Essen abholen

Einige meinen sogar, sie könnten uns "Kellner" austricksen: das erste Essen verschwindet im Rucksack und man gibt vor, noch keines bekommen zu haben, sodass das zwei Essen das "erste" ist und genüsslich verspeist wird. Den Leitern geht es jedoch nicht darum, die Obdachlosen zu "erwischen" wie sie zwei Essen absahnen, sondern lediglich ihnen zu dienen. Denn Essen hatten wir genug :). Nach dem Essen haben einige von uns noch ein Glaubenszeugnis gegeben und zum Schluss haben wir gemeinsam die Kirche aufgeräumt. Ich hab den "Staubsaugerpart" übernommen. Während des Staubsaugens schrie mich dann ein Mann an: "Don't come here, when I am eating!" (= Komm nicht hier her, während ich esse!"). Dann steht er auf und zieht einfach den Stecker :). Im Nachhinein würde ich sagen, dass diese zwei Aktivitäten eine der besten Erfahrungen waren, die ich hier gemacht habe. Einfach mal zu sehen, wie die Ärmsten der Armen leben. Und hilfreich für die Arbeit mit sozial-schwachen Kindern war's auch :). Ansonsten ging die Woche im Liebenzeller Haus sehr schnell rum. Am Ende der Woche haben wir dann zum ersten Mal die anderen Volontäre getroffen. Ort der ersten Begegnung war das Haus einer "Borderfamilie". Border nennen wir die Personen, die uns passiv unterstützen (v.a. finanziell). Diese Familien sind meist sehr reich. Dementsprechend war dann auch das Haus, indem wir uns versammelt haben :). Dort wurde uns dann auch gesagt, in welchem Camp (Camp Hope (= Hoffnung), Camp Victory (= Sieg), Camp Freedom (= Freiheit)) wir eingeteilt sind und wer mit uns arbeitet: Ich arbeite im CAMP HOPE (= Hoffnung) mit 6 anderen Volontären: Marwin (Deutscher, der mit mir aufs Hebel-Gymnasium ging), Caleb (Kanadier), Ruthann (Kanadierin), Becca (Engländerin), Vera (Deutsche) und Eliane (Deutsche). Mit der Einteilung bin ich mehr als zufrieden. Wir kommen super miteinander aus und unsere Arbeit im Camp ist genial! Doch mehr davon in meinem nächsten Blogeintrag, der mit Sicherheit nicht so lange dauert wie dieser.